Stoffwindelwissen für Anfänger

Nov 6, 2017 von

Stoffwindelwissen für Anfänger

Mit Stoffwindeln zu wickeln ist nicht schwer, es gibt jedoch einige Dinge, die man beachten sollte. Erfahre hier, was du wissen solltest, wenn du mit Stoffwindeln wickeln möchtest.

 

Falls du wissen möchtest, warum wir mit Stoffis wickeln und welche Vorteile Stoffwindeln haben, kannst du das hier nachlesen. Hier habe ich geschrieben, welches Stoffwindelzubehör es gibt.

 

Je nachdem für welches System man sich entscheidet, gibt es verschiedene Stoffe bei den Saugeinlagen und verschiedene Modelle. Über die verschiedenen Stoffwindelsysteme habe ich hier geschrieben.

 

 

1. Vorsicht mit Wundschutzcreme

Besonders bei Salben und Cremes die auf Lanolin- oder Paraffinbasis sind, muss ein Papiervlies oder Windelfleece unter den Popo gelegt werden. Die Rückstände lassen sich sonst nur schwer wieder auswaschen und verkleben die Fasern. Das Ergebnis sind auslaufende Windeln. Es gibt immer wieder Berichte auf Blogs von Cremes die Stoffwindel sicher sind und kein Fleece oder Vlies benötigen.

Ich selbst habe das über mehrere Wochen probiert, mit dem Windelbalsam der Bahnhofsapotheke und der Weleda Calendula Babycreme. Allerdings habe ich diese nur sporadisch und sehr dünn aufgetragen. Hier konnte ich keine Veränderung der Windeln feststellen. Das soll an dieser Stelle keine Empfehlung sein und wenn ihr unsicher seid geht lieber auf Nummer sicher!

 

 

2. Stoffwindeln müssen eingewaschen werden (engl. preppen)

Dass alles, was an Baby´s Haut kommt vor der ersten Benutzung gewaschen werden sollte, dürfte den meisten Leuten klar sein. Für die optimale Saugkraft müssen Stoffwindeln öfter gewaschen werden, da in den Naturstoffen noch natürliche Öle enthalten sind und sie einfach noch nicht gut saugen.

Dabei gilt:

Bei Überhosen und Einlagen aus Mikrofaser genügt 1 mal waschen.

Baumwolle, Bambus und Hanf wäscht man am besten 1-3 mal – die optimale Saugleistung erreichen diese Einlagen und Windeln etwa nach 10 mal waschen. Natürlich kann man alle Windeln bereits nach einem Waschgang verwenden, man muss jedoch im Hinterkopf behalten, dass die Windeln einfach noch nicht schnell und viel Flüssigkeit aufsaugen können.

Übrigens gibt es (bei uns sehr selten) auch Windeln, die bereits von den Herstellern eingewaschen wurden. Ein Beispiel ist die Smart Bottom Dream Diaper.

 

Stoffwindelwissen für Anfänger

 

3. Waschanleitungen der Hersteller beachten

 

Prizipiell sollte man sich immer nach den Angaben der Hersteller richten. Diese sind jeweils auf den eingenähten Etiketten angegeben.

Allgemein sieht das bei den meisten Windeln so aus:

 

Schleuderdrehzahl

Um die eingenähten Gummis in den Windeln nicht vorzeitig auszuleiern, wird eine maximale Schleuderdrehzahl von 800 Umdrehungen empfohlen.

 

Trocknen

Nicht alle Stoffwindeln sind für den Trockner geeignet, aber selbst die, die es sind haben bei ständiger Trocknung im Wäschetrockner wahrscheinlich eine kürzere Nutzungsdauer, abgesehen davon ist es schlechter für die Energiebilanz und somit für die Umwelt.

 

Temperatur

Reine Baumwolle ist kochfest und kann bei 95°C gewaschen werden, sofern nicht anders angegeben, Bambus und Hanf vertragen oft nur maximal 60°C und bei Überhosen und anderen Windeln geben die Hersteller sogar meist nur 40°C an. Das PUL leidet auf Dauer einfach unter den höheren Temperaturen. Ich finde es trotzdem hygienischer meine gesamte Windelwäsche bei 60°C zu waschen und nehme dafür in Kauf, dass meine Windeln vielleicht nicht ganz so lange halten.

 

Keine Weichspüler, Hygienespüler und zusätzlichen Bleichmittel verwenden

Jegliche Weich- und Hygienespüler können die Saugkraft beeinträchtigen – das Wasser perlt regelrecht ab und die Windel läuft aus. Hygienespüler sind generell nicht notwendig bei einer guten Waschroutine und belasten nur das Ökosystem. Sollten die Windeln dennoch muffig riechen oder sonst irgendwie stinken, würde ich empfehlen, die Windeln noch einmal zu waschen und zwar:

mit einem Vorspülgang, danach den Hauptwaschgang so heiß wie es das Material zulässt wählen (60°C wäre gut) und darauf achten, dass das Waschmittel Sauerstoffbleiche enthält. Das sollte ziemlich alle Keime abtöten.

Sollte das Problem öfter vorkommen, würde ich auf alle Fälle die Waschroutine überdenken und gegebenfalls anpassen.

Etwas anders sieht es aus, wenn man ein Problem mit einem Pilz hat. Das kann mitunter leider etwas langwieriger zu beheben sein. Für solche Fälle gibt es von Ulrich natürlich einen Hygienespüler*, der auch für Stoffwindeln eingesetzt werden kann. Ich habe auch schon einmal den Hygienespüler sensitiv von Denk mit verwendet und habe keine negativen Auswirkungen bemerkt. Das sollte trotzdem immer eine Ausnahme sein!

 

 

Klettverschlüsse schließen

Offene Klettverschlüsse können sich beim Waschen in anderen Windeln verhaken und die Stoffe beschädigen. Schäden solcher Art sind von der Garantie in den allermeisten Fällen ausgenommen.

 

 

 

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4. Flecken sind kein Zeichen von schmutzigen Windeln

Ja das hört sich paradox an, ist aber wirklich so. Manche Flecken verschwinden erst bei der nächsten Wäsche oder durchs Aufhängen in der Sonne. Solange die Windel sauber/neutral riechen und keine richtigen Stuhlreste auf der Windel sind, handelt es sich lediglich um Farbpartikel, die noch in oder auf den Fasern sind. Diese Windeln kann man ohne Bedenken an das Kind anlegen.

Um der Entstehung von Flecken überhaupt vorzubeugen, ist es am besten, wenn erst gar nichts drauf kommt, was Flecken verursachen könnte. Man kann windelfrei praktizieren, dann gelangt das Kacka gar nicht erst in die Windel. Kommt das nicht in Frage, wie bei uns 😉 , hilft ein Papiervlies oder Flecken gar nicht erst eintrocknen lassen und gleich grob auswaschen.

 

5. Windeln immer komplett durchtrocknen lassen

Da feuchte Windeln ein guter Nährboden für Keime sind, ist es wichtig, sie so schnell wie möglich aufzuhängen und im Idealfall so, dass sie ehest bald trocknen können. Bevor sie weggeräumt werden, sollen sie komplett trocken sein!

 

 

6. Vorsicht mit Hitze

Windeln mit PUL nicht in die pralle Sonne hängen und nicht direkt auf heiße Heizkörper legen. Dadurch werden sie schneller porös und laufen aus.

 

 

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7. Windeln am besten alle zwei Tage waschen

Nach einigen Stunden wird im Urin Ammoniak gebildet. Dieser kann die empfindlichen Gummiteile langfristig angreifen und dazu führen, dass die Windeln undicht werden. Außerdem muss man weit mehr Windeln kaufen und eventuelle Flecken haften stärker am Stoff, wenn man seltener als alle zwei Tage wäscht. Es hat also eher Nachteile, wenn man die Waschintervalle hinaus zögert. Jeden zweiten Tag finde ich ideal.

 

8. Windeln nicht einweichen

Das hat man früher oft gemacht, richtet aber mehr Schaden an, als es nützt. Die Windeln können sehr schnell zu schimmeln anfangen und das kann man nur sehr schwer oder gar nicht wieder beheben! Kurz auswaschen oder Flecken vorbehandeln hingegen ist ok. Am besten ist es, die Windeln so wie sie sind, in die jeweilige Aufbewahrung mit Luftzufuhr zu geben. Auch die PUL beschichteten Überhosen vertragen langes einweichen nicht…

 

Schreibt mir gerne in die Kommentare wenn ihr der Meinung seid, dass noch etwas auf dieser Liste fehlt!

 

 

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Bildquelle: privat

 

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