Muttermilch-Seife – Tutorial

Aug 26, 2017 von

Muttermilch-Seife – Tutorial

 

Seine eigene Seife von Grund auf herzustellen, ist eigentlich ziemlich einfach. Kurz gesagt, entsteht Seife, wenn man Fette mit einer Lauge mischt. Die Lauge reagiert mit dem Fett und verseift dieses. Nach diesem Prozess hat man im Prinzip schon gebrauchsfertige Seife. Wie genau das im Kaltverfahren (bzw. ITM-HP = In-the-mold hot process) funktioniert, könnt ihr hier erfahren. Dieses Tutorial ist speziell für Muttermilch-Seife – natürlich kann man mit dem hier beschriebenen Verfahren auch jede andere Seife herstellen. Wie man Muttermilch sonst noch sinnvoll einsetzen kann, habe ich hier beschrieben.

 

 

Safety first! Egal, ob ihr erfahrene Sieder seid oder die Seifenherstellung komplettes Neuland für euch ist: Beachtet immer die Sicherheitsregeln! Ein Spritzer Lauge oder Seifenleim kann Verletzungen oder Schäden nach sich ziehen! Solltet ihr trotzdem Lauge irgendwo abbekommen, diese schnellstmöglich abwaschen!  

 

  1. Schutzkleidung bestehend aus einer Schutzbrille, Arbeitskleidung oder alte Kleidung, Gummihandschuhe
  2. Arbeitsplatz abdecken zB mit Zeitungspapier
  3. Keine Tiere oder Kinder in der Umgebung haben
  4. Alle Lebensmittel wegräumen – eine freie Arbeitsfläche schaffen
  5. Keine Hektik, nimm dir Zeit zum Sieden, sonst geht schnell mal was daneben
  6. Rezepte am besten kontrollieren mit diesem online Seifenrechner oder dem hier.Tippfehler können passieren!

 

 

Seife

 

Ihr braucht:

  • Schutzkleidung (inkl. Schutzbrille* und Handschuhe)
  • hitzebeständige Kunststoffbehälter – ich verwende gerne Messbecher
  • Schneebesen / Kochlöffel aus Holz, Kunststoff oder Edelstahl
  • Stabmixer*
  • hitzebeständige Formen aus Kunststoff oder Holz auch möglich eine Kastenform ausgelegt mit Backpapier – perfekt geeignet sind Silikonformen
  • Natriumhydroxid* (NaOH, auch Natronlauge oder Ätznatron genannt) bitte nicht mit Natron verwechseln
  • Öle und feste Fette
  • Flüssigkeit um Lauge anzurühren, also in diesem Fall Muttermilch
  • eine grammgenaue Digitalwaage*
  • ein feines Plastiksieb
  • einen Topf
  • Essig und Küchenpapier zum neutralisieren und abwischen von Spritzern auf der Arbeitsfläche

 

 

 

 

Aluminium oder andere Metalle eignen sich nicht zur Seifenherstellung. Edelstahl hingegen ist in Ordnung. Wenn ihr den Seifenleim in einem Topf anrühren wollt, sollte er emailliert oder aus Edelstahl sein! Weiters sollten die Gebrauchsgegenstände nicht mehr zur Zubereitung oder Aufbewahrung von Lebensmitteln verwendet werden!

 

Utensilien

Arbeitsplatz vorbereiten

 

Seid ihr soweit? Also dann legen wir mal los.

 

Alles bereit legen, abdecken und vorbereiten.

Schutzausrüstung am Besten von Anfang an anziehen, spätestens beim Hantieren mit NaOH! (Natriumhydroxid)

Öle und feste Fette grammgenau abwiegen. (ich wiege feste Fette extra ab, da ich nur diese erhitze)

Feste Fette kann man gleich in den Topf geben und sanft schmelzen lassen.

Die gewählte Flüssigkeit in einem Kunststoffbehälter abwiegen und kalt stellen, so reagiert die Lauge nicht (so stark) damit. Bei jeglicher Art von Milch würde ich empfehlen, diese vorher zumindest eine Stunde in den Tiefkühlschrank zu geben.

NaOH grammgenau abwiegen.

 

Langsam das NaOH in die Flüssigkeit hinein rieseln lassen und umrühren. Dabei für gute Lüftung sorgen (Dunstabzug, Fenster) oder überhaupt im Freien anrühren. Das Gesicht dabei abwenden, um die Dämpfe nicht einzuatmen. Oft wird auch empfohlen die Lauge im Waschbecken anzurühren. Wenn dort der Behälter umkippt oder etwas übergeht, kann man einfach Wasser nachspülen.

 

Lauge abkühlen lassen – ab und zu umrühren. Das NaOH in der Lauge muss vollständig aufgelöst sein!

Geschmolzene Fette gieße ich immer zu den Ölen, somit muss das nicht mehr so lange auskühlen. Beschleunigen kann man das Abkühlen mittels Wasserbad im Waschbecken. Wer möchte, kann hier mit einem Labor- oder Bratenthermometer messen. Im Idealfall haben die angerührte Lauge und die Ölmischung jeweils 35 Grad beim Zusammenmischen. Aber ehrlich gesagt habe ich das selten so genau genommen und ich konnte keine Unterschiede feststellen. Die Lauge kann man auch zimmer-warm ohne Probleme verwenden.

 

Nun wird die Lauge durch ein feines Sieb vorsichtig in das Öl gegeben, dann umrühren bzw. mit dem Stabmixer vermischen. Ohne Spritzer so lange mit dem Stabmixer mixen, bis sich die Konsistenz verändert. Wenn sich der Seifenleim schön verbunden hat, könnte man an dieser Stelle Farb- und Duftstoffe bzw. ätherische Öle hinzugeben.

Da diese Seife speziell für Babies und Kleinkinder ist, würde ich in diesem Fall davon abraten. Die Konsistenz erinnert anfangs an eine Cremesuppe und wird unter Rühren einem Pudding ähnlich. (Puddingstadium) Umso wärmer die Lauge und die Öle sind, desto schneller dickt die Masse an.

 

Nun kann man den Leim in die vorgesehenen Formen füllen. Diese kann man nach dem Befüllen vorsichtig auf festen Untergrund klopfen, um kleine Luftbläschen aus den Seifen zu bekommen.

 

Ich gebe das Ganze dann bei kuscheligen 50 Grad in den vorgeheizten Backofen und lasse ihn noch etwa 30 Minuten eingeschaltet. Wenn man eine Seife nach Cold Process Verfahren haben möchte, wickelt man die Form(en) gut in eine alte Decke und stellt sie irgendwo hin, wo sie nicht im Weg steht. 😉

Utensilien reinigen. (zB das Gröbste abwaschen dann in die Geschirrspülmaschine geben – Handschuhe braucht man bis zum Schluss!)

Arbeitsfläche reinigen.

 

Muttermilchseife

Muttermilchseife in der Form

Schlafen legen

 

Die Seife darf über Nacht im Ofen „schlafen“. Am nächsten Tag müsste man sie gut ausformen können, wobei sie noch weich sein kann. Bei ganz frischer Seife empfiehlt es sich auch hier nochmals Handschuhe anzuziehen. Ob noch freie, also unverseifte Lauge in der Seife ist, kann man mit dem Küsschentest oder einem pH Teststreifen herausfinden. Der pH Wert sollte zwischen 8 und 10,5 sein.

Manche Seifen, insbesondere Milch- und Bierseifen, stinken in den ersten 2-3 Tagen ziemlich gemein – lasst euch dadurch nicht verunsichern, der Geruch ist ganz normal und verfliegt wieder komplett.

 

Seife

 

Heute schon geküsst?

 

Beim Küsschentest geht man mit der Zunge ein bisschen an die Seife. Brizzelt es wie bei einem Ministromschlag, muss die Seife auf jeden Fall noch ruhen. Im Normalfall, wenn keine groben Wiegefehler passiert sind und das Rezept in Ordnung war, sollte die Seife ein paar Tage später fertig sein. Schmeckt es nur nach Seife, können die Stücke nach dem Ausformen theoretisch sofort verwendet werden.

Aber hier gilt dasselbe wie bei Käse: je reifer, desto besser! Die Stücke müssen erst einmal trocknen und aushärten. Junge Seife verwäscht sich schneller und schäumt noch nicht so gut. Durch Lagerung reifen die Stücke nach – die Seife wird milder und restliches Wasser verdunstet. Ich würde mindestens 4-6 Wochen lagern. Bei Seifen mit sehr hohem Olivenölanteil noch länger. Zum Nachreifen legt man die Seifenstücke am Besten mit Abstand zueinander in einen Karton oder auf ein Holzregal.

 

Ein paar Worte noch zur Überfettung

 

Wie ich vorhin schon kurz erwähnt habe, bleibt in der Seife keine freie Natronlauge mehr nach der Verseifung. Wenn man mehr Fett hinzugibt als die Natronlauge verseifen kann, hat man einen Fettüberschuss, der bei Körperseifen rückfettend wirkt und durchaus erwünscht ist. Bei der Berechnung gibt man an, wie viel Prozent Fett übrig bleiben soll. Das nennt man Überfettung. Gängig sind bei Körperseifen zwischen 4 und 10 Prozent. Darüber hinaus kann die Seife schneller ranzig werden, aber ich habe auch schon Duschbutter mit 30 Prozent Überfettung gemacht. (Bei Haarseife nimmt man oftmals 1-3 Prozent und bei Putz- und Kernseifen 0-1 Prozent)

Seife

fertige Muttermilchseife

Ihr seht, das Thema Seife sieden ist sehr umfangreich und hier noch lange nicht zu Ende. Ich wollte ein gewisses Grundwissen bieten, mit dem man starten kann.

Wo bekomme ich Natriumhydroxid? In der Apotheke, günstiger ist es jedoch meistens in Onlineshops für Kosmetikrohstoffe oder bei Amazon. Mitunter findet man es auch im Baumarkt, da es dort als Rohrreiniger verkauft wird. Hier muss man allerdings gut acht geben, ob noch andere Zusätze enthalten sind. Dann darf es nicht für Seife verwendet werden!

 

CP oder ITM-HP

 

In Seifensieder-kreisen gilt das „backen“ der Seife als verpönt. Ich sehe es lediglich als Schubs an, den man mit der niedrigen Temperatur gibt. ITM-HP Seifen kann man schneller verwenden und sie sind schneller „fertig“. Bei Salz- und Soleseifen wird es sogar empfohlen, soweit ich das gelesen habe. Ich persönlich finde daran nichts verkehrt und es bleibt jedem überlassen die Seife im Kalt-, Heiß- oder In-the-mold-Verfahren zu fertigen.

 

 

Das Rezept für die Muttermilch-Seife

 

Ich habe bei meiner Muttermilchseife folgendes Rezept gemacht:

  • 70% Olivenöl
  • 20% raffiniertes Kokosöl
  • 5% Rizinusöl
  • 5% Avocadoöl
  • 30% Flüssigkeit – 3/4 Muttermilch + 1/4 destilliertes Wasser oder Muttermilch pur
  • bei einer Überfettung von 5%

 

Konkret sah das bei mir so aus:

  • 840g Olivenöl
  • 240g Kokosnussöl
  • 60g Rizinusöl
  • 60g Avocadoöl
  • 360g Muttermilch
  • 165g NaOH

 

Rizinusöl habe ich dazugegeben um die Schaumbildung zu unterstützen, da Olivenölseife wenig schäumt. Höher würde ich Rizinusöl nicht einsetzen. Kokosöl macht die Seife härter und sorgt ebenfalls für Schaum. Das Avocadoöl habe ich gewählt, weil ich noch ein zusätzliches Öl verwenden und dieses aufbrauchen wollte.

Es wäre auch gut möglich 70% Olivenöl und 30% Kokosöl zu verwenden oder die anderen Öle auszutauschen. Allerdings muss bei jeder Änderung die Lauge neu berechnet werden, da jedes Öl eine andere Verseifungszahl hat!

 

 

Habt ihr noch nicht genug vom Thema?

Meine liebstes Nachschlagewerk zum Seifen sieden ist dieses Buch* von Claudia Kasper. Es enthält alle nötigen Informationen und sehr viele schöne Rezepte. Zum Austauschen und inspirieren lassen besuche ich gerne das Seifenforum.

 

 

Viel Vergnügen beim Nachmachen!

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Bildquelle: Pixabay, privat

1 Kommentar

  1. Phillip

    Die seife sieht schön aus

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