Geburtsbericht einer schönen Hausgeburt

Aug 29, 2017 von

Geburtsbericht einer schönen Hausgeburt

Geburt von Alexandra

 

Meine erste Geburt verlief alles andere als schön. Ehrlich gesagt war sie ziemlich traumatisch für mich. So kam es, dass ich das zweite Mal ganz anders erleben wollte. Einerseits, um ein schönes Geburtserlebnis zu bekommen und andererseits, um mich mit der ersten Geburt auszusöhnen.

 

Ich war immer schon fasziniert von Hausgeburten und wollte zu Hause entbinden. Nach und nach las ich viel über die Vorteile. Zum Glück fand ich eine tolle Hebamme, die mir diesen Wunsch ermöglichte und auch mein Arzt unterstützte mich.

 

 

Ich wollte nicht mehr schwanger sein

 

Wir fieberten schon Wochen vor dem errechneten Termin auf die Geburt hin und konnten es kaum mehr erwarten, dass es endlich losging. Ich, weil ich schon sehr unter der Schwangerschaft litt und mein Mann, weil er endlich unser Kind sehen wollte. (So wie ich auch natürlich) Die letzten Wochen waren mühsam – ich konnte die ganze Schwangerschaft über nicht gut schlafen, musste zum Schluss nachts fast stündlich Pipi machen und ich konnte mich kaum mehr bewegen. Nachts machte mir bei jeder Drehung die Symphyse arge Schwierigkeiten. Ich hatte genug vom schwanger sein und fühlte mich bereit für die Geburt.

 

Schatz, ich glaube, es geht los!

 

In der Nacht vor meinem errechneten Termin, hatte ich, wie schon ein paar Mal in den 2 Wochen zuvor, eine unruhige und schlaflose Nacht mit Senkwehen. In den frühen Morgenstunden konnte ich dann endlich schlafen und alles entspannte sich. Schon ab Mittag waren die Wehen wieder zurück. Bald folgte eine Wehe der anderen – vollkommen schmerzlos. Ich quittierte diese als Vor- bzw. Übungswehen und vertrieb mir die Zeit. Mein Vater kam zu Besuch und da bemerkte ich schon, dass ich nicht so richtig den Gesprächen folgen konnte und mich doch schon etwas auf die Wehen konzentrieren musste. Irgendwann zwischen 16:00 und 17:00 verließen mich meine Gäste wieder und ich merkte, dass die Wehen intensiver wurden. Schmerzen hatte ich keine. Zum Glück war mein Sohn bereits bei seiner Oma, falls es ernst werden würde.

 

Ich wurde ziemlich unruhig und nervös, also ging in der Küche auf und ab. So versuchte ich mich zu beschäftigen, während mein Mann im Wohnzimmer fern schaute. Um 18:00 benachrichtigte ich meine Hebamme, dass es möglicherweise losging. Ich legte mich in die Badewanne, hielt mich jedoch nicht lange im Wasser auf, da ich keine Lust hatte zu baden. Ich wollte mich bewegen. Die Wehen wurden allmählich intensiver und kamen bereits alle 5 Minuten, dauerten allerdings nur 30 Sekunden an.

 

Hausgeburt, Geburtsbericht

 

Ablenken, ablenken, ablenken

 

Hunger hatte ich alleine schon durch meine freudige Aufregung nicht. Ich wollte auch nichts mehr essen um den Körper nicht zu belasten. Ich trank schluckweise Wasser in den Wehenpausen – ein Tipp den ich in einem Buch gelesen hatte. Bei den nächsten Toilettengängen merkte ich, dass der Schleimpfropf nach und nach abging und auch eine leichte Blutung kam dazu. Da ahnte ich, dass die Geburt schon begonnen hatte und es nur noch eine Frage der Zeit war, bis ich mein Baby begrüßen konnte.

 

Etwas später telefonierte ich nochmals mit meiner Hebamme und sie beschloss, um 20:00 Uhr wegzufahren. Sie brauchte etwa eineinhalb Stunden zu mir. Ich wollte sie nicht unnötig wegen einem falschen Alarm kommen lassen. Denn zu diesem Zeitpunkt war ich immer noch unsicher, ob die Wehen möglicherweise wieder aufhören konnten. Ich denke, meine Hebamme konnte durch das Telefonat die Lage schon ganz gut einschätzen. Die Eröffnungsphase bei meiner ersten Geburt habe ich als sehr schmerzhaft erlebt, dadurch konnte ich kaum abschätzen, wie weit die Geburt fortgeschritten war. Einerseits kamen die Wehen regelmäßig und in kurzen Abständen, sie dauerten wiederum nur kurz an. Das verunsicherte mich und ich befürchtete, dass sie beim Muttermund möglicherweise nicht viel ausrichteten.

 

Ich tigerte im Haus auf und ab, ließ mich von den Wehen treiben und ging ganz in mich. Dabei konzentrierte ich mich auf die Musik, die ich über Kopfhörer hörte. Ich spürte in der ganzen Zeit keine Kindsbewegungen, versuchte aber keine unnötige Unruhe aufkommen zu lassen und verdrängte schlechte Gedanken. Problemlos schaffte ich es all die Dinge umzusetzen, die ich mir monatelang bei meiner eigenen Geburtsvorbereitung eingetrichtert hatte: während der Wehen entspannt bleiben, aufrecht bleiben, darauf achten, dass die Hände und Lippen entspannt bleiben. Und am Allerwichtigsten war für mich: eine ruhige, kräftige Atmung. Ich hatte keine bestimmte Atemtechnik, es lief einfach wie es mir mein Körper vorgab.

 

Hausgeburt, Geburtsbericht

 

Der Körper macht alles alleine – ganz automatisch

 

Es tat mir gut, mich während der intensiver werdenden Wehen nach vorne auf die Arbeitsfläche der Küche zu beugen, die Augen zu schließen, die Hände flach aufzulegen (wenn die Hände und die Lippen/der Mund entspannt sind, ist es auch der restliche Körper) und das Becken von rechts nach links zu bewegen. Ich fühlte mich gut. Um 21:00 kamen die Wehen bereits alles 3 Minuten – sie blieben nach wie vor nur 30-45 Sekunden und ich dachte: tut immer noch nicht weh, das kann ja noch ewig dauern. Wie soll das noch werden?

 

Mein Mann schlief zu dieser Zeit im Wohnzimmer und bekam von alldem nichts mit. Ich denke, er realisierte kaum, dass die Geburt im vollen Gange war. Mir war es recht, ich wollte allein sein. Ich merkte deutlich wie ich noch mehr zur Ruhe kam, als meine Hebamme um 21:30 ankam. Ich entspannte mich, weil mir mein Gefühl sagte: Jetzt wird alles gut!

 

 

Plötzlich wurde es real

 

Nach 5 Vorbereitungstreffen kannten wir uns schon gut. Wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge und ich mochte ihre Einstellung und Arbeitsweise. Ich musste ihr im Vorfeld kaum sagen was ich wollte und was nicht, da sie einfach spürte wie sie mit mir am besten umgehen sollte und mich unterstützen konnte. Eine natürliche und selbstbestimmte Geburt waren für sie selbstverständlich und mussten nicht extra besprochen werden.

 

Wir trugen ihre komplette Ausrüstung herein und weckten meinen Mann. Sie legte sich alles bereit, was sie brauchen könnte und wir richteten den Gebärort her. Dann untersuchte sie mich, um zu schauen, ob es dem Baby gut ging. Alles bestens – ich war erleichtert und freute mich riesig, dass ich tatsächlich eine Hausgeburt haben konnte und alles soweit gut lief. Wir schrieben einige Minuten die Herztöne mit dem CTG Gerät, während ich in Seitenlage eine Wehe nach der anderen veratmete. Danach untersuchte sie meinen Muttermund und ich betete, dass er zumindest 3 oder 4 cm geöffnet wäre. Bei 2 cm war ich bereits eine Woche lang gewesen. „7 cm“, sagte sie, ich war fassungslos und freute mich unglaublich. Damit hätte ich nie gerechnet. „Um Mitternacht kommt das Baby“, schätzte sie.

 

Hausgeburt, Geburtsbericht

 

Die folgende Zeit verbrachten meine Hebamme, mein Mann und ich in der Küche. Wir redeten miteinander und ich genoss die friedliche und ruhige Stimmung bei gedimmten Licht. Es störte mich auch während der Wehen nicht, wenn sich die zwei neben mir unterhielten. Zwischendurch massierte mir mein Mann das Kreuzbein und die Hebamme kontrollierte die Herztöne von Zeit zu Zeit.

 

Ich fühlte mich auch nie gestört von den ohnehin wenigen Untersuchungen, die sie machte. Die Wehen wurden natürlich intensiver, waren jedoch bis kurz vor dem Ende gut zu verarbeiten für mich. Bei diesen letzten Wehen vor der eigentlichen Geburt half es noch zusätzlich „Aaahh“ mitzutönen. Es war nach wie vor eher ein starkes Ziehen als Schmerz. Einfach sehr kraftvoll. Meine Hebamme strahlte eine unglaubliche Ruhe aus und sagte mir immer wieder, dass ich das toll mache. Um 23:00 schrieb ich meiner Schwester sogar noch eine Nachricht. Auch sie schickte mir aufbauende Nachrichten und meinte: Du schaffst das!

 

Fast geschafft

 

Meine Hebamme sagte dann zu mir: „Schlimmer wird es jetzt nicht mehr, nur anders.“ Das war das einzige Mal, dass sie daneben lag. 😉 Als ich merkte, dass der Druck sehr stark wurde, begaben wir uns zu meinem gewählten Gebärort ins Wohnzimmer – auf dem Boden vor dem Sofa. Ich platzierte mich im Vierfüßler. Unter mir hatten wir eine Decke mit einer Unterlage darauf, und so lehnte ich mich an der Couch. Da platzte auch direkt die Fruchtblase, es war bereits 23:45.

 

Die Hebamme erklärte mir kurz, was ich bei den kommenden Wehen tun sollte. Plötzlich wurde ich total überrumpelt von einem Ruck im Bauch und starken Schmerzen. Es fühlte sich an als ob das Kind sich mit den Beinen abstieß und dringend raus wollte. Ich brauchte etwas Zeit um das umzusetzen, was mir die Hebamme riet. Ich empfand nicht den typischen Pressdrang. Nicht pressen war sehr schmerzhaft, mitschieben umso mehr. Das war wirklich zum Davonlaufen.

 

Hausgeburt, Geburtsbericht

 

Mein Mann befand sich vor mir auf dem Sofa und sprach mir gut zu und streichelte mir den Rücken. Bei diesen letzten Wehen wurde ich sehr laut und allein schon damit konnte ich schwer umgehen. Während ich schrie, erschrak ich über mich selbst und die Töne, die einfach unkontrolliert aus mir heraus kamen. Es machte mir Angst, dass mein Körper tat, was er wollte und ich nur bedingt Kontrolle darüber hatte.

 

Der Muttermund schob sich wohl vor den Kopf, also drückte die Hebamme das Gewebe beiseite. Das war das schlimmste Gefühl überhaupt, ich dachte, da läuft irgendwas falsch. Das Ganze wiederholte sich noch einmal. Nach dieser Wehe wimmerte ich und jammerte als sich die nächste anbahnte: „Bitte nicht!!“ Ich dachte in dem Moment nicht weiter machen zu können und stieß eindeutig an meine Grenzen.

 

Geburtsbericht Hausgeburt

 

Ich traute mich dann doch, schließlich ging es ja nicht anders. Irgendwie musste ich ja das Kind bekommen. Ich nahm meine ganze Kraft zusammen und presste so gut es ging. Irgendwie fühlte es sich an, als ob ich ins Leere presste. Nach kurzer Zeit schaffte ich es den Kopf herauszuschieben und ich schrie dabei: „Schei.. tut das weh!!“ Ich drehte die Knie näher zueinander weil dadurch die Dehnung besser auszuhalten war – ein weiterer Tipp, den ich gelesen hatte – zum Glück erinnerte ich mich daran. Ich wollte es einfach nur mehr hinter mich bringen. Kurz darauf konnte meine großartige Hebamme während der nächsten Wehe den restlichen Körper herausdrehen. Sie musste mithelfen, da das Baby mit einer Schulter ein wenig hängen blieb.

 

Hallo kleines Wesen!

 

Um 0:04 an dem errechneten Termin wurde also unsere kleine Tochter geboren. Ich war erstmal erleichtert, dass dieser unglaubliche Schmerz vorbei war und momentan total perplex über das Ende der Geburt.

 

Baby Hand

 

Meine Hebamme meinte: „Schau zwischen deine Beine, da liegt dein Kinderl! Die Nabelschnur ist zu kurz, ich kann es dir nicht raufgeben.“ Achja, das Kind! Lebt es? Geht’s ihm gut? Ging es mir in Zehntelsekunden durch den Kopf. Ich blickte nach unten auf unser Bündel Leben und sagte:“Es ist tatsächlich ein Mädchen!“ Wir wussten das Geschlecht vorher nicht, ich hatte jedoch schon früh das Gefühl ein Mädchen zu bekommen. Leider war das Fruchtwasser grün und es lief nicht alles sofort wie erhofft – unser Kind lief blau an. Besorgt beobachtete ich, wie unsere Geburtshelferin die Arme und Beine massierte um die Durchblutung in den Gang zu bekommen. Sie sagte, dass es besser wäre gleich abzunabeln, da sie durch die kurze Nabelschnur das Baby nicht versorgen konnte.

 

Ich wollte das Blut der Nabelschnur ursprünglich auspulsieren lassen, aber in dem Fall ging es natürlich nicht anders. Mein Mann sträubte sich etwas, aber schnitt sie dann doch durch unter Anleitung der Hebamme. Ich musste währenddessen in der Hocke bleiben, da sie tatsächlich sehr kurz war. Dann saugte die Hebamme unserer Tochter das Fruchtwasser ab, dadurch wurde sie schnell rosiger. Endlich konnten wir sie grob abwischen und auf meine Brust legen.

 

Wie schlimm ist es da unten?

 

Mein kompletter Intimbereich brannte. Ich hatte wirklich Angst, dass ich starke Geburtsverletzungen hatte, konzentrierte mich aber vorerst auf mein soeben geschlüpftes Baby. Im Hinterkopf hatte ich noch Erinnerungen an den Dammschnitt von der ersten Geburt. Schon kurze Zeit später spürte ich starken Druck auf meinem Beckenboden. Ich gebar die Plazenta und meine liebe Hebamme untersuchte zuerst die Plazenta und dann mich. Zum Glück hatte ich nur oberflächliche Risse. Mein Mann kümmerte sich um unsere Tochter während ich, mit nur jeweils einem Stich, zwei Nähte bekam. Dabei zitterte ich sehr stark aufgrund der vorangegangenen Anstrengung und ich merkte, dass ich mittlerweile sehr schmerzempfindlich geworden war. Jede Berührung war unangenehm.

 

Wir blieben noch eine Stunde im Wohnzimmer sitzen, machten erste Fotos und benachrichtigten die Familie. Ich schaute ununterbrochen unser Mädchen an und stillte sie das erste Mal. Die Hebamme reinigte alles blitzschnell und nach kurzer Zeit lagen wir bereits im Bett zum kuscheln.

 

Es war wirklich ein wunderschönes, kraftvolles Erlebnis und obwohl der Endspurt wirklich heftig war, kam das einer Traumgeburt sehr nahe!

 

 

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Alexandra

 

 

Bildquelle: Pixabay, privat

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